EINE REISE DURCH
DIE ZEIT

Informationstafeln führen uns die bewegte Geschichte des Luitpoldblocks

Viele Stationen der bewegten Jahre des Gevierts können rund um den Luitpoldblock erkundet werden und erlebt so eine interessante Zeitreise durch zwei Jahrhunderte.

ENERGIE

Die Tradition achten heißt an die Zukunft denken: Unsere Umwelt ist uns wichtig, wir möchten zu ihrer Erhaltung beitragen. Daher ist die Infrastruktur des Luitpoldblocks ressourcenschonend ausgelegt.

Seit 2007 sorgt Energieberater Thomas Klug mit seinem Unternehmen HausHochDrei mit einem innovativen Energiekonzept für ein nachhaltiges Gebäudemanagement. So ist der Luitpoldblock direkt an den Stadtbach, der unter dem Haus verläuft, angeschlossen. Sein Wasser hilft der hocheffizienten Klimaanlage bei der Kühlung, wodurch signifikant Strom eingespart wird. Ansonsten werden die Klimaanlage sowie die gesamte Beleuchtung des Gebäudes ausschließlich mit Ökostrom versorgt, unter anderem vom Münchner Unternehmen Polarstern.

Max Greger, Zacharias und Strasser beim gemeinsames Konzert

SPONTANMUSIK

Helmut Zacharias, Max Greger und Hugo Strasser überraschen das Publikum im Cafe Luitpold mit einem Live-Act, der als Unikat in die Musikgeschichte eingeht: Sie treten zum ersten und einzigen Mal als Trio auf.

3. Oktober 1989. Die Eröffnung des neuen Palmengartens im Luitpoldblock ist in vollem Gange. Thilo Wolf und seine Big Band spielen auf. Das Publikum applaudiert begeistert – und staunt nicht schlecht, als plötzlich die drei Granden des Swing die Treppe herunterschreiten, Helmut Zacharias mit Geige, Max Greger mit Saxophon und Hugo Strasser mit Klarinette im Anschlag. Greger und Strasser sind alte Weggefährten, die schon kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu Pionieren der deutschen Jazz- und Swingszene wurden und gemeinsam im Max-Greger-Sextett musizierten. Der Berliner „Zaubergeiger“ Zacharias komplettiert den heutigen Auftritt, den Moderator Michael Stiegler vom Bayerischen Rundfunk als „Spontanmusik“ ankündigt. „Erleben Sie etwas, das praktisch gar nicht möglich ist und das es auch künftig nie mehr geben wird“, sagt er. – Wie recht er hat!

Wer Klarinette? Wer Saxophon?

Missoni Dankeskarte

MISSONI

Edler Strick aus Italien: Im November 1975 eröffnet hier die erste Missoni-Boutique außerhalb Italiens. Seither ist das Mode-Unternehmen seinem angestammten Standort im Luitpoldblock treu geblieben.

Es ist Anfang der 1970er Jahre, als die Münchner Unternehmerin Elisabeth Stettmaier die Missoni-Mode auf einer Messe in Italien entdeckt. Sie ist begeistert und freundet sich mit den Firmengründern Rosita und Ottavio Missoni an. Gemeinsam entwickeln sie ein Boutiquenkonzept für den Vertrieb der exklusiven Strickwaren, die von der Presse als „tragbare Kunstwerke“ gefeiert werden. So kommt es, dass im November 1975 der erste Missoni-Flagstore außerhalb Italiens eröffnet: im Münchner Luitpoldblock. 1989 schreibt Elisabeth Stettmaier ins Gästebuch des Cafe Luitpold: „Es war eine meiner besten Ideen, Wurzeln zu schlagen im Luitpold.“ Die Mode im Schaufenster ist ein Hingucker, das Interieur der Boutique auch: Im Jahr 2001 hat Stararchitekt und Designer Matteo Thun dort Hand angelegt.

der Grillroom-das damalige Restaurant des Cafe Luitpold

AMERICAN GRILLROOM

1962 ist das Cafe Luitpold wieder da. Zwei Jahre Um- und Neubau haben die Kriegsspuren beseitigt und der Zukunft den Weg geebnet. Die jungen Eigentümer, Marika und Paul Buchner, bringen moderne Vorstellungen mit. Sie geben den Münchnern nicht nur ihr Grand Café zurück, sondern richten auch einen American Grillroom ein.

Der Grillroom hat eine eine hyperfunktionale Theke mit Barhockern, hin­ter welcher der Rotisseur vor den Augen der Gäste Steaks und schnelle Tellergerichte zubereitet, seinerzeit ein sensationeller Hingucker. Üppige Sahneschnitten und tellergroßes Plundergebäck waren ges­tern. Jetzt ist weniger mehr, eine extravagante Geste in Zei­ten, in denen der Hunger noch nicht vergessen ist. Dem Prinzip der Reduktion konsequent folgend, lassen die Buchners ein neues Logo für ihr Café entwickeln. Professor Richard Roth entwirft ein streng geometrisches „L“, das aus Dreiecken und Quadraten aufgebaut ist und als Markenzeichen das neue Luitpold repräsentiert. Heute gehören Roths Luitpold-Verpackungen zum Bestand der Sammlung des International Design Museum in der Pinakothek der Moderne.

die Confiserie 1962 - Das Cafe Luitpold

SÜNDENFALL

„Oft verweile ich in entrückter Unbeweglichkeit vor den Dreierreihen Schwäbischer Apfelkuchen, Zwetschgendatschis, Othellos, Trüffel-, Sacher-, Pariser-, Mandel- und Zuger Kirschtorten, Mohnstollen, Finnischen Nusskränzen, Streusel- und Butterkuchen, und all den Spezialitäten, deren Namen allein sich schon als Meisterwerke kulinarischer Phantasie erweisen.“

So beschreibt Loriot seine Beziehung zur Luitpold-Confiserie, die 1962 eröffnet. Eigentlich, so der Schriftsteller, Zeichner, Dirigent und Erfinder des legendären Kosakenzipfels weiter, entzünde sich seine Begeisterungsfähigkeit ja eher an „Mädchen, Möpsen und Mozart“. - „Wenn ich mich dennoch in femininer Weise für Näschereien exaltiere, beweist das nur den teuflischen Reiz, der von diesem Haus in der Brienner Straße ausgeht. Ich glaube“, regt er an, „es ist an der Zeit, die schon immer etwas unwahrscheinliche Geschichte des ersten Sündenfalls auf ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Es kann kein Apfel – es muss eine Luitpoldpraline gewesen sein.“

Boulvard Cafe in den 30er Jahren - das Cafe Luitpold

BIERBRENNEN
& KAFFEESCHÄNKE

Am 30. Mai 1930 eröffnet das erste Gehsteigcafé in München: Das Luitpold hatte die städtische Genehmigung erhalten, auf dem Bürgersteig Tische, Stühle und Palmen aufzustellen. Jetzt kann der Gast draußen sitzen und ein erfrischendes Getränk zu sich nehmen, ganz so, als sei er in Cannes oder Nizza.

Erfrischend war der Luitpoldblock von Beginn an. Schon Joseph von Utzschneider, der zwischen 1810 und 1812 den Gebäudekomplex zwischen Stadtmauer und Briennerstraße, zwischen Salvatorplatz, Amiraplatz und Maximiliansplatz errichten lässt, braut hier Bier, in der größten Brauerei Münchens. Der Gerstensaft wird vor allem im eigenen Wirtsgarten ausgeschenkt.

1825 verkauft Utzschneider an Angelo Sabbadini, der 1831 seinen Schwiegersohn Ludwig Knorr als Eigentümer des Baugevierts einsetzt. Bis 1834 wird der „Knorr-Bräu zum Utzschneider“ nur als Brauerei erwähnt. Fortan ist immer von „Gastwirtschaft“ die Rede. Und ab 1852 gibt es eine „Tafernwirthschaft mit Schank-, Gastungs- und Beherbergungsrecht“, die sich in den südwestlichen Gebäudeteilen am Maximiliansplatz befindet. Dazu gehören ein kleiner Wirtsgarten, ein großer Obstgarten mit hohen Bäumen und Wasserbassins sowie ein Sommerhaus.

1870 erhält Weinwirt Ott die städtische Erlaubnis, in dem kleinen Boskett am Maximiliansplatz bei schönem Wetter Kaffee, Eis oder Wein auszuschenken. Mit der Eröffnung des Café Luitpold 1888 verlieren sich die Spuren der kleinen Schenken.

Der Dieb von Bagdad - Kino im Luitpoldblock

LUITPOLD-
LICHTSPIELE

1929 wird der Luitpoldblock modernisiert. Das Tabarin muss dem seinerzeit größten Kino in München weichen. Der Zuschauerraum ist 34 Meter lang, 20 Meter breit und zehn Meter hoch. Das Kino hat 1368 Sitzplätze, eine hochmoderne Tonfilmapparatur und eine Wurlitzer-Orgel.

Die Luitpold-Lichtspiele eröffnen am 4. November 1929 mit einem Stummfilm. Schon zehn Tage später wird der erste Sprechfilm gezeigt, „Atlantik“. In den dreißiger und vierziger Jahren laufen hier Propagandafilme, etwa während der „Reichs-Kulturfilmwoche“ 1941. Aber in den Luitpold-Lichtspielen feiern auch viele spätere Filmklassiker Premiere.

Das verheerende Bombardement in der Nacht vom 18. Dezember 1944 übersteht das Kino relativ unversehrt. Schon im September 1945 geht der Betrieb unter der Leitung von Lonny van Laak weiter. Sie holt Weltstars wie Sophia Loren, Kirk Douglas, Ingrid Bergmann und Maximilian Schell an die Isar. 1957 übernimmt die UFA Theater AG das Kino. 1974, in der Zeit des großen Kinosterbens, müssen auch die Luitpold-Lichtspiele aufgeben. In den Westtrakt ziehen Geschäfte ein.

Tabarin-die damalige Bar im Cafe Luitpold

TABARIN LUITPOLD

1920 haben die prunkvollen Prinzensäle und der heroische Schlachtensaal im ersten Stock des Palastcafés ausgedient. Der moderne Großstädter verlangt nach Neuem. Er möchte nicht nur gut speisen, sondern auch Cocktails trinken und bespaßt werden.

Diese Wünsche erfüllt das Tabarin Luitpold, das Alexander Schalk, Eigentümer des Luitpoldblocks neu einrichten lässt. 1928. Das exklusive Etablissement zwischen Jungfernturmstraße und Maximiliansplatz ist eine Mischung aus American Bar, Restaurant und Tanzlokal. Musikkapellen spielen Swing und Jazz. Auf dem Parkettboden des Tanzsaals toben sich neben den Gästen auch regelmäßig die Mitglieder des ersten Münchner Tanz-Clubs „Gelb-Schwarz-Casino“ aus. Und es finden Kabarettaufführungen statt – ganz in der Tradition des Namensgebers. Jean Salomon Tabarin war ein französischer Schauspieler und Possenreißer der Barockzeit. Doch auch das Tabarin Luitpold muss bald noch neueren Entwicklungen Platz machen. 1928 wird es geschlossen, die Luitpold Lichtspiele ziehen ein.

Hutsalon Berta Häusler im Luitpoldblock

HUTSALON
BERTA HÄUSLER

Der Hutsalon Berta Häusler zählt seinerzeit zu den berühmten Modegeschäften in München.

Die Damen der Gesellschaft, des europäischen Hochadels, Stars von Bühne und Film lieben die Haute Couture für den Kopf. Ausgezeichnet mit dem Bayerischen Staatspreis 1954 krönen Würdigungen und Medaillen die Firmengeschichte seit 1908. Der Salon residiert von 1962 bis 2009 im Luitpoldblock unter der Leitung von Renate Riedl.
Der Prinzensaal im Cafe Luitpold

FRAUENBEWEGUNG

18. bis 21. Oktober 1899: Im Cafe Luitpold findet der Erste Bayerische Frauentag statt. Das Interesse ist riesig: „Zu der in den Prinzensälen stattgehabten Sitzung hatte sich ein so zahlreiches Publikum eingefunden, dass eine große Zahl keinen Eintritt finden konnte“, schreiben die Münchner Neuesten Nachrichten.

Eingeladen hat der Münchner „Verein für Fraueninteressen“. Ein Theaterstück führt vor, dass die gesellschaftliche Situation der Frauen ein Ergebnis historischer Entwicklungen und nicht biologisch bedingt sei. Die Teilnehmerinnen diskutieren über den Sinn von Mädchengymnasien und fordern in einer Resolution den Gesetzgeber auf, eine Verordnung zum Schutz der Kellnerinnen zu erlassen. Der Erste Bayerische Frauentag gilt als Initialzündung für die Emanzipationsbewegung in Bayern. Noch ein Jahr zuvor war Frauen die Mitgliedschaft in politischen Vereinen und die Teilnahme an politischen Veranstaltungen untersagt. Erst eine Gesetzesreform hatte die Tagung ermöglicht.

Foto: Der damalige Prinzensaal

Joseph von Fraunhofer im Luitpoldblock

JOSEPH VON FRAUNHOFER

Der Physiker Joseph Fraunhofer (1787-1826) hat für den hervorragenden Ruf Münchens als Produktionsstätte von optischen Präzisionsmessinstrumenten gesorgt.

Der Sohn eines Straubinger Glasermeisters tritt nach seiner Lehre als Spiegelschleifer 1806 in das Mathematisch-Mechanische Institut von Reichenbach, Utzschneider und Liebherr in München ein. In der Werkstatt werden astronomische und geodätische Messinstrumente hergestellt. Fraunhofer gelingt es, die Qualität der Linsen entscheidend zu verbessern. Ab 1814 ist er zusammen mit Utzschneider alleiniger Teilhaber des nunmehr selbständigen Optischen Instituts, das 1819 in den Luitpoldblock einzieht (damals Utzschneider-Realitäten). Von hier aus werden optische Linsen und Fernrohre in die ganze Welt geliefert. Und weil Fraunhofer die enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft vorlebt, wird er später Namenspatron für die Fraunhofer-Gesellschaft, die sich seit 1949 um die Förderung der angewandten Forschung kümmert.

Foto: Joseph von Fraunhofer (Mitte) demonstriert das Spektroskop, rechts Georg von Reichenbach, links Joseph von Utzschneider. Gemälde von Rudolf Wimmer

SALON BERNSTEIN

Luitpoldblock, dritter Stock: Im literarischen Salon der Elsa Bernstein (1866-1949) trifft sich seit den 1890er Jahren das Großbürgertum zum kulturellen Austausch. Zum Plausch werden Tee und Zitronencreme serviert.

Die Gästeliste ist illuster: Mit von der Partie sind zum Beispiel die Schriftsteller Theodor Fontane, Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann, Frank Wedekind, Erich Mühsam, Klabund und „die tolle Gräfin“ Franziska zu Reventlow. Gern gesehen sind auch die Musiker Richard Strauss und Engelbert von Humperdinck. Eine ganz besondere Rolle spielt der Salon für Thomas Mann: Er kommt hier seiner späteren Frau Katia näher.

Unter der Naziherrschaft lässt sich ein jüdischer Salon nicht halten. Elsa Bernstein wird 1939 aus ihrem Domizil in der Brienner Straße ausquartiert. Sie muss in kleinere Wohnungen umziehen, zuerst in die Barer, dann in die Schellingstraße. 1942 wird sie in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, aus dem sie Amerikaner 1945 befreien. Vier Jahre später stirbt Elsa Bernstein. Ihre Urne ist auf dem Münchner Ostfriedhof beigesetzt. Die Bernsteinsche Tradition wird bis heute hoch gehalten: Im Salon Luitpold parlieren regelmäßig Künstler, Literaten und Wissenschaftler über Gott und die Welt, über Kunst und Kultur.

Tilo Schulz-Kunstwerk "Schleuse" im Untergeschoss im Cafe Luitpold

KUNST DER GEGENWART

Ein Kaffeehaus ohne Künstler? Undenkbar. Schon die Protagonisten der Moderne waren im Cafe Luitpold anzutreffen: die Maler und Zeichner des Simplicissimus, der Kreis des Blauen Reiters um Wassily Kandinsky. Und heute? Stößt man auf Interventionen zeitgenössischer Künstler. Zum Beispiel auf die Installation „Schleuse“ von Tilo Schulz im Untergeschoss des Luitpold.

Tilo Schulz, 1972 in Leipzig geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Er ist ein Grenzgänger zwischen Konzept, Konstruktion und konkreter Möblierung von Räumen - Denk- und Fühlräume, die er zur Diskussion stellt. Dabei lässt er zum Beispiel die Oberflächenmaserung von Edelhölzern mit gestischer Malerei und abstrakten Scribbles kollidieren. In der „Schleuse“, die er im Jahr 2011 eigens für das Cafe Luitpold entwickelt hat, prallen Gepolstertes und edle Verpackungen aufeinander: Die Schachteln des Cafe Luitpold, gestaltet durch das Münchner Designbüro Rose Pistola, sind längst geadelt; sie gehören zum Bestand des International Design Museums in der Münchner Pinakothek der Moderne.