Kunst im Luitpoldblock

Architektur, Künste und Kultur eröffnen im Luitpoldblock Räume für Begegnungen, schaffen inspirierende Irritationen, provozieren das Denken. Sie definieren das Haus als einen öffentlichen Ort jenseits aller Beliebigkeit und schlagen Brücken aus der Geschichte in die Zukunft.

Luitpoldblock, Tilo Schulz Raum

Kunst im Luitpoldblock

Tilo Schulz „sketchbook for a symphony of thoughts – placing your thought beyond“

Der Künstler Tilo Schulz (*1972 in Leipzig, lebt und arbeitet in der Nordwestuckermark) hat im Luitpoldblock gemeinsam mit dem Architekten Kim Wortelkamp (quartier vier, Leipzig) einen Möglichkeitsraum geschaffen. Der Künstler geht von der Konstitution des Raumes aus und kombiniert die Rohbauatmosphäre mit einer permanenten Intervention. Auf Kunststoffplatten applizierte, abstrakte Gemälde sind so installiert, dass sie eine Wand bilden, an die sich eine Bank anschließt. Ausgehend von dieser Anordnung sind Tische mit Intarsien im Raum positioniert, deren Intarsien die Spielflächen von Schach und Mühle aufzeigen. Gemeinsam haben sie ein Setting entworfen, in dem Malerei und Innenarchitektur ein produktives Spannungsverhältnis eröffnen.

Luitpoldblock, Treppenhaus Amiraplatz 3

Kunst im Luitpoldblock

Liquid – Textarbeit von Barbara Köhler

Unter dem Amiraplatz ist ein Schatz versteckt. Der westliche Stadtgrabenbach, gespeist vom Glockenbach, bringt Wasser in den Englischen Garten. Heute nicht mehr zu sehen, ist er doch wichtig, denn er klimatisiert den Luitpoldblock.

Nur mit Wasser gibt es Leben. Es steht für den Kreislauf ebenso wie für die Veränderung. Es fällt und es steigt. Es läuft auseinander und zieht sich gleichermaßen zusammen. Wenn wir durchs Treppenhaus hinaufsteigen, kommt es uns in einer Wort-Kaskade entgegen. Oder wir lassen uns von ihr gleichsam nach oben tragen. Das Treppenhaus ist ein Ort des Durchgangs und der Begegnung. In einem Fluss, heißt es, treffen wir niemals auf dasselbe Wasser. Im Treppenhaus begegnen wir nur scheinbar denselben Menschen wieder. Auch wir befinden uns in stetem Wandel.

Das Treppenhaus verbindet, es steht für den Weg zwischen Woher und Wohin. Die Textarbeit LIQUID der Lyrikerin Barbara Köhler hebt diesen Zwischenraum in unser Bewusstsein, lässt unsere Gedanken von Stufe zu Stufe eilen, manchmal auch nachdenkend den nächsten Schritt ertasten. Ulrike von Dewitz hat die Arbeit grafisch gestaltet. Dass der Text sich von zwei Seiten lesen lässt, von oben wie von unten beginnend, macht ihn ebenso ein- wie durchgängig.

Luitpoldblock Cafe Luitpold Kunst Benjamin Bergmann Kronleuchter

Kunst im Luitpoldblock

Benjamin Bergmann

1968 in Würzburg geboren, hat nach einer Ausbildung zum Holzbildhauer von 1995 bis 2001 an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert. Von 2008 bis 2009 war er Gastprofessor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Im Eingangsbereich zum Luitpoldblock, dem ehemaligen Vestibül, hängen nun seine „Kronleuchter“ von der Decke. Benjamin Bergmann stellt in seiner Kunst gerne ironisch die Funktionalität alltäglicher Gegenstände in Frage. So hat er zum Beispiel am Leibnitz Rechenzentrum in der Barerstraße einen Basketballkorb angebracht, in 25 Metern Höhe, völlig unerreichbar für einen durchschnittlichen Spieler. Daher heißt die Arbeit auch „Never Ever“. Das Objekt ist augenscheinlich eine Auslenkung aus der Realität und somit ein Anstoß für den Betrachter, über die „Wirklichkeit“ nachzudenken. Die „Kronleuchter“ aus dem Jahr 2013 wurden eigens für das ehemalige Vestibül des Cafe Luitpold angefertigt. Hier blitzt die Ironie in der Machart auf. Wie grobe Laubsägearbeiten wirken die weißen Holzgestelle. Bestückt mit Glühbirnen in den unterschiedlichsten Formen und Farben ähneln die Leuchter ihren barocken Vorfahren aus Muranoglas. Sie akzentuieren die Architektur und verschmelzen zugleich mit ihr – und tauchen den Luitpoldblock in ein farbenfrohes Spiel aus Licht und Schatten.

Luitpoldblock, MUT, Boris Maximowitz, Foto: Leonie Felle

Kunst im Luitpoldblock

Boris Maximowitz

1985 geboren in Weißenburg, lebt und arbeitet in München. Boris Maximowitz nimmt Eingriffe in den öffentlichen aber auch den Ausstellungsraum vor, um die Reaktionen der Leute zu erforschen. Seine temporären Konstruktionen, oft bestehend aus leeren Kisten, Holz, Müll und allerlei auf den Straßen gefundenen Objekten, entstehen schnell, impulsiv und geradezu natürlich. Der Künstler dekonstruiert und transformiert die ursprüngliche Bedeutung der Objekte indem er sie mit einfachen Hilfsmitteln und Materialien zusammenbindet, verklebt, kombiniert und aufstapelt So zwingt er uns Raum und Realität neu zu überdenken.

MUT ist ein Skulpturenprojekt von Boris Maximowitz, das anlässlich des von der Stiftung Federkiel initiierten Projekts UNDER (DE)CONSTRUCTION auf dem Kreativquartier an der Dachauer Straße seit 2014 auf einem Gebäudedach installiert war. Die zwei Meter hohen Leuchtbuchstaben wurden Ende 2016 kurz vor Abriss des Gebäudes demontiert. Im Frühjahr waren die Buchstaben – jetzt ineinander ›geschachtelt‹ – vor der Münchner Galerie ›Nir Altman‹ zu sehen, seit Juni 2017 im Innenhof des Luitpoldblocks und danach dann wieder auf dem Kreativquartier.

Ursprünglich auf dem Kreativquartier München, etwas abgelegen vom restlichen Ausstellungsareal befand sich auf dem Dach eines Gebäudes, das 2017 abgerissen wurde, die Lichtinstallation von Boris Maximowitz – in einer privilegierten Position: Schon von der Dachauer Straße aus sichtbar. In vollem Glanze erhob sich hier das Wort MUT und proklamierte eine Prämisse, die nicht nur die Initiativen dieses jungen Künstlers auszeichnet sondern auch im Geist derer zu finden ist, die das Kreativquartier ausmachen.

Maximowitz verwies mit seiner Installation auf den Mut der ansässigen Akteure des Kreativquartiers. Den Mut, aus dem offiziellen und institutionalisierten Zirkel herauszutreten. Den Mut, Raum für Kreativität einzufordern. Den Mut, Projekte künstlerischer Qualität und sozialen Charakters anzuregen. Den Mut, schließlich, Träume wahr werden zu lassen. In Mitten des Areals, das von Wechsel und Rekonstruktion geprägt ist, erinnert uns der Künstler an die Notwendigkeit Mut zu zeigen. Mutig zu sein. Mut, als Antriebskraft sich der aktuellen Situation zu stellen, sie kritisch zu analysieren und neue Aktionsformate anzuregen.

Luitpoldblock, Hausverwaltung, Martin Woehrl, Gloriole

Kunst im Luitpoldblock

Martin Wöhrl

ist 1974 in München geboren und hat dort von 1996 bis 2002 an der Akademie der Bildenden Künste studiert. 2011 hat er den Lothar-Fischer-Preis für Bildhauerei erhalten. Seine Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. In der Hausverwaltung des Luitpoldblocks ist seine Arbeit „Gloriole“ aus dem Jahr 2014 zu sehen. Martin Wöhrls „Gloriole“, ist eine beeindruckend pointierte Formulierung. Eine Arbeit, die Gegensätze kombiniert: Die konstruktivistisch zusammengesetzten groben Spanholzreste, die sich farblich bis auf wenige Akzente zurückhalten, bilden in ihrer Schlichtheit, ihrem Purismus ausgerechnet einen Strahlenkranz, das Sinnbild barocker, göttlicher Überhöhung schlechthin. „Armes“, geerdetes künstlerisches Material kollidiert mit einer Urform prunkvoll inszenierter Spiritualität. Die schillernde Installation lässt das Ganze in Op Art-Manier in Bewegung geraten – kinetisches Kopfkino.

Luitpoldblock Hausverwaltung Kunst Raffaele Celentano Fotografien

Kunst im Luitpoldblock

Raffaele Celentano

1962 geboren in Sorrent, lebt seit 1986 in München. Er fotografiert für angesehene Magazine wie Merian, Abenteuer und Reisen, Geo France, Spiegel Special und die italienische Vogue. In den Räumen der Hausverwaltung sind Raffaele Celentanos Schwarz-Weiß-Fotografien zum Thema Schokolade zu sehen – der italienische Laif-Fotograf steht in der Tradition von Henri Cartier-Bresson.

Luitpoldblock, Hausverwaltung, Hanna Krüger, VAISS.EAU

Kunst im Luitpoldblock

Hanna Krüger

1979 in Berlin geboren, hat bis 2011 Produktdesign an der Kunsthochschule in Kassel studiert. Für die Verwaltung des Luitpoldblocks hat sie Lampen der Serie VAISS.EAU gefertigt, die an historische Flaschenformen erinnern.

Luitpoldblock Kunst Olaf Nicolai Dreiecke

Kunst im Luitpoldblock

Olaf Nicolai

1962 in Halle an der Saale geboren, lebt und arbeitet als Konzeptkünstler in Berlin-Prenzlauer Berg. Parallel zur großen Schau im Lenbachhaus und zu seiner Performance-Reihe in der Pinakothek der Moderne präsentierte der bedeutende zeitgenössische Künstler Olaf Nicolai im Cafe Luitpold Aktionen zum Thema Marcel Duchamp, dem Begründer der Konzeptkunst, der 1912 drei Monate in München verbracht hatte. Aus Frust war dieser aus Paris geflohen, weil der „Salon des Indépendants“ seinen später weltberühmten „Akt, die Treppe hinabsteigend Nr. 2“ abgelehnt hatte. Der Aufenthalt war prägend für Duchamp. „In München erlebte ich meine totale Befreiung“, bekannte er später. Hier entstanden bereits Vorarbeiten zum „Großen Glas“, seinem Hauptwerk. Anlass für das Luitpold, den Künstler hundert Jahre später zu feiern: Mit einem Akt, der die Treppe im Palmengarten hinab- und dann in ein Schokoladenbad hineinsteigt. Oder mit dem Simultan-Schachturnier Night of the Pawn aus Berlin als Verbeugung vor dem passionierten Schachspieler Duchamp. Olaf Nicolai hatte bereits im Vorfeld der Neueröffnung grafische Arbeiten vorgestellt, die das Verpackungsdesign des Cafe Luitpold seriell variieren.