Kunst und Kultur

Architektur, Künste und Kultur eröffnen im Luitpoldblock Räume für Begegnungen, schaffen inspirierende Irritationen, provozieren das Denken. Sie definieren das Haus als einen öffentlichen Ort jenseits aller Beliebigkeit und schlagen Brücken aus der Geschichte in die Zukunft.

Federkiel, Ausstellungsansicht

Kunst und Kultur im Luitpoldblock

Federkiel Raum für Kunst | Bildung | Ökologie | Genuss

Federkiel baut auf der gleichnamigen, von Tina und Karsten Schmitz 2000 in Berlin gegründeten Stiftung auf. Zweck dieser Stiftung war es, allen künstlerischen und kulturellen Ausdrucksformen Gehör zu verschaffen, die sich aus zeitgenössischen Umständen ergeben. Heute engagiert sich Federkiel zwischen den Bereichen Kunst/Kultur, Bildung, Ökologie und Genuss.

Federkiel stiftet Raum für Kunst, für Projekte und für die Entwicklung von Möglichem. Alle Aktivitäten werden von Federkiel bevorzugt in Kooperation mit Partnern realisiert. Ein aktives Mitgestalten innovativer künstlerischer Prozesse und das Vorantreiben kreativer Dynamiken in urbanen wie auch ländlichen Räumen stehen im Fokus.

Künstler sind dabei die wichtigsten Partner. Sie waren es auch, die Anfang der nuller Jahre Tina und Karsten Schmitz auf das kreative Biotop der Leipziger Baumwollspinnerei aufmerksam machten. Bis 2014 fand Federkiel eben dort ihr Hauptbetätigungsfeld. Gemeinsam mit der Baumwollspinnereiverwaltungsgesellschaft mbH engagierte sich Karsten Schmitz für die inhaltliche Konzeption und nachhaltige Neubelebung des denkmalgeschützten Industrieareals. So initiierte Federkiel das Symposium ›Wie Architektur sozial denken kann‹, in dessen Rahmen die für die Spinnerei bis heute tragende Idee einer von den Nutzern des Geländes, also besonders den Künstlern, geprägte Entwicklung entstand. Als eine unmittelbare Folge dieser Grundstrategie gründete Karsten Schmitz gemeinsam mit dem Weimarer Kurator Frank Motz den Kunstraum HALLE 14, ein bis heute vitales Experimentierfeld und Labor für zeitgenössische Kunst. Die dort gezeigten Ausstellungen und initiierten Diskurse fördern nach wie vor die Internationalisierung der Spinnerei. Bereits seit 2005 werden die Aktivitäten der HALLE 14 durch das in seiner Art einzigartige und ortsspezifische Kunstvermittlungsprogramm ›Kreative Spinner‹ ergänzt.

Seit dem Sommer 2016 betreibt Federkiel den ›Raum für Kunst, Bildung, Ökologie und Genuss‹ im Luitpoldblock.

Luitpoldblock, Karl & Faber Kunstauktionen

Kunst im Luitpoldblock

Karl&Faber

Karl&Faber gehört zu den renommiertesten Auktionshäusern Deutschlands und kann auf über 90 Jahre erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurückblicken. Zu unseren obersten Prinzipien gehörten schon immer Fachkompetenz und Sorgfalt, Marktkenntnis und Internationalität unserer Experten sowie vertrauensvoller Austausch und persönlicher Service. Auf dieser Basis beraten wir Sie und engagieren uns für Ihre Erfolge im internationalen Kunstmarkt. Im Laufe der Jahrzehnte baute Karl&Faber ein weltweites Netzwerk von renommierten Kunstexperten in Museen, Forschungseinrichtungen und Stiftungen auf, das es uns ermöglicht – im Interesse von Einlieferern wie von Käufern – die Provenienz angebotener Werke durch hochkarätige Expertisen abzusichern. Durch unsere internationalen Kontakte können wir außerdem Kunstobjekte gezielt Privatsammlern, Museen und qualifizierten Händlern auf der ganzen Welt anbieten. Wir sind der Geschichte des Hauses verpflichtet und gleichzeitig daran interessiert, neue Entwicklungen auf dem Kunstmarkt in Ihrem Interesse in das Programm des Hauses aufzunehmen.

1923 gründen der Kunsthistoriker Georg Karl und der Germanist Curt von Faber du Faur das Auktionshaus in München. Der Schwerpunkt des Kunst- und Literatur-Antiquariats liegt zunächst auf Buchverkäufen und -versteigerungen im Gärtnerplatzviertel und später am Karolinenplatz. Die erste Auktion findet 1927 statt: Das Spitzenlos »Der abenteuerliche Simplicissimus« von Grimmelshausen aus der Sammlung Victor Manheimer erzielt ein stattliches Ergebnis von 1750 Goldmark. Ein Jahr danach nimmt Curt von Faber du Faur den Ruf zu einer Professur in Yale an und steigt aus dem operativen Geschäft aus. Georg Karl führt fortan die Geschäfte allein: In den Folgejahren finden bedeutende Auktionen wie etwa die Versteigerung bibliophiler Kostbarkeiten aus der Bibliothek des Augsburger Patriziers Marcus Fugger (1529-1597) oder von Werken aus der Sammlung der Fürsten Oettingen-Wallerstein statt. Die 25. und letzte Auktion der Kriegsjahre wird im Jahr 1944 aus Sicherheitsgründen nach Murnau verlegt. In den Nachkriegsjahren wird in der 30. Auktion des Hauses zum ersten Mal separat Kunst versteigert.

Louis Karl, der damals 19jährige Sohn von Georg Karl, tritt 1961 als Auktionator ein und übernimmt das Unternehmen zehn Jahre später als alleiniger Inhaber. Im Laufe der Jahre verlagert er den Schwerpunkt des Hauses vom Buch auf die Kunst und leitet den Aufbruch in die Moderne ein. Es beginnt eine intensive Zusammenarbeit mit US- amerikanischen Sammlern, die bis heute anhält. Louis Karl zeigt außerdem regelmäßig Ausstellungen und versteigert mit großem Erfolg Sammlungen wie die des Verlegers Reinhard Piper, der ein Freund der Künstler Barlach, Beckmann und Kubin war.

Im Jahr 2003 erwerben Rupert Keim und seine Familie das Unternehmen. Das Angebot an Zeitgenössischer Kunst wird erweitert und das Netzwerk um Repräsentanzen ausgebaut. Gleichzeitig knüpft auch die neue Geschäftsführung an die Traditionen des Hauses an und führt bedeutende Versteigerungen aus wie die Auktionen der Sammlung Walter Bareiss (2007), eines Teils der Sammlung Marvin und Janet Fishman (2010) – die erfolgreichste Auktion einer Einzelsammlung deutscher Kunst der 1920er und 30er Jahre, oder Sammlung Ahlers 2015. Bei der Versteigerung ausgewählter Werke der Sammlung Gunter Sachs 2014 können dank der großen Nachfrage mit starker internationaler Beteiligung nahezu alle Lose aus der Sammlung zugeschlagen werden.

Luitpoldblock Kunst Kultur Luitpold Lounge Gangway Eröffnung

Kultur im Luitpoldblock

Luitpold Lounge
2003-2006

Die Luitpold Lounge war ein Forum für den zeitgenössischen interdisziplinären Diskurs. München hat in bester Innenstadtlage im Luitpoldblock, einem Geschäftshaus, dessen genius loci von Mode, Lifestyle und Tradition geprägt ist, ein neues Forum für den aktuellen interdisziplinären kulturellen Dialog bekommen: die Luitpold Lounge.

Das Konzept dieses Forums ist offen. Die Luitpold Lounge ist eingebunden in den Luitpoldblock, doch die Räume ändern sich. Das macht sie so einzigartig. Sie nistet sich im Areal des Geschäftshauses dort ein, wo temporär Räume frei sind.

Ihren Anfang nahm die von der Tochter der Eigentümerfamilie Tina Schmitz initiierte und von Elisabeth Hartung kuratierte Luitpold Lounge zu Beginn des Jahres 2003 in einem Ladengeschäft an der Ecke Brienner Straße/Maximiliansplatz. Mit einem ambitionierten Ausstellungs- und Vortragsprogramm etablierte sie sich bald als ein anregender, für interessiertes Publikum offener Ort, den der Architekt Markus Link jeweils subtil aus bestehenden Materialien gestaltet.

Das Programm der Luitpold Lounge ist ambitioniert. Wir spüren die Themen der Zeit auf und erarbeiten konzeptionelle Projekte als Plattform für den kulturellen Diskurs der Gegenwart. International arbeitende jüngere KünstlerInnen realisieren raumbezogene Arbeiten oder zeigen multimediale Aktionen, renommierte Wissenschaftler vermitteln neueste Ergebnisse, Musiker nutzen die Räume für ungewöhnliche Konzerte, Akteure des kulturellen und ökonomischen Lebens diskutieren öffentlich.

Das Besondere an der Luitpold Lounge ist, dass hier avantgardistische KünstlerInnen und Geschäftsleute, die intellektuelle Szene und ein interessiertes Publikum zusammentreffen und miteinander ins Gespräch kommen. Die Luitpold Lounge hat ein großes integratives Potential. Sie gibt dem kulturellen Leben Münchens eine Plattform und steht in Austausch mit überregionalen und internationalen Positionen. Sie ist ein offener Ort voller Begegnungen zwischen Menschen, Meinungen und Disziplinen.

Luitpoldblock, Palmengarten

Kultur im Luitpoldblock

Salon Luitpold
2010-2015

Ein kultureller Treffpunkt. Die Kulturwissenschaftlerin Nan Mellinger lädt regelmäßig zum Salon Luitpold ein. Es finden Veranstaltungen zu Themen aus Kunst, Kultur, Nachhaltigkeit und Politik statt. Da philosophiert zum Beispiel die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken über Trachten und das „Dekolleté der Bavaria“, der Theaterkritiker C. Bernd Sucher macht sich Gedanken, ob Anstandsregeln überholt sind, Stadtplaner diskutieren darüber welche neuen Architekturformen vorbildlich für München sein könnten und Julian Nida-Rümelin spricht mit Nathalie von Siemens über nachhaltige und menschengerechte Ökonomie.

Im Herbst 2015 feierte der Salon Luitpold sein fünfjähriges Bestehen. Über 60 Ausgaben „Kultur unter Palmen“ präsentierten Zeitgenossenschaft jenseits des Mainstreams: ein ebenso abwechslungs- wie geistreiches, mitunter auch einfach genüssliches, manchmal polarisierendes Programm, serviert von Nan Mellinger und ihren Gästen im Palmengarten des Cafe Luitpold. Wider den Methodenzwang lautet das Credo, um interessante Menschen, Thesen, Projekte und „ideas in the making“ ins Gespräch zu bringen – ob im Rahmen von Diskussionsrunden, als Vortrag, Performance oder in bewegten Bildern. Mit bayerischen und zuagroasten Gästen. Mehr als ihr Bekanntheitsgrad standen Persönlichkeit, Engagement und eine kritische Geisteshaltung im Fokus. Als Adresse für eine niveauvolle, offene Gesprächskultur konnte sich der Salon Luitpold im besten Sinne etablieren – auch und ganz maßgeblich dank all seiner Gäste, Freunde und Partner! Und natürlich dank der Initiative, großen Unterstützung und vertrauensvollen Zusammenarbeit von Tina & Karsten Schmitz, der Eigentümerfamilie des Luitpoldblocks und Vorständen der Stiftung Federkiel, sowie von Dr. Stephan Meier, Betreiber des Cafe Luitpold.

In unserem Archiv finden Sie eine Auswahl der bereits stattgefundenen Salons sowie einige Video-Mitschnitte und Hörfunkaufnahmen.

Der „Salon Luitpold“ in der bis hierher entwickelten Form, dessen letzte Veranstaltung im Januar 2016 stattfand, wird zunächst pausieren. Ein Kulturprogramm im Cafe Luitpold wird bis auf weiteres in Eigenregie von Dr. Stephan Meier als „Salon im Cafe Luitpold“ realisiert.

Luitpoldblock Cafe Luitpold Kunst Benjamin Bergmann Kronleuchter

Kunst im Luitpoldblock

Benjamin Bergmann

1968 in Würzburg geboren, hat nach einer Ausbildung zum Holzbildhauer von 1995 bis 2001 an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert. Von 2008 bis 2009 war er Gastprofessor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Im Eingangsbereich zum Luitpoldblock, dem ehemaligen Vestibül, hängen nun seine „Kronleuchter“ von der Decke. Benjamin Bergmann stellt in seiner Kunst gerneironisch die Funktionalität alltäglicher Gegenstände in Frage. So hat er zum Beispiel am Leibnitz Rechenzentrum in der Barerstraße einen Basketballkorb angebracht, in 25 Metern Höhe, völlig unerreichbar für einen durchschnittlichen Spieler. Daher heißt die Arbeit auch „Never Ever“. Das Objekt ist augenscheinlich eine Auslenkung aus der Realität und somit ein Anstoß für den Betrachter, über die „Wirklichkeit“ nachzudenken. Die „Kronleuchter“ aus dem Jahr 2013 wurden eigens für das ehemalige Vestibül des Cafe Luitpold angefertigt. Hier blitzt die Ironie in der Machart auf. Wie grobe Laubsägearbeiten wirken die weißen Holzgestelle. Bestückt mit Glühbirnen in den unterschiedlichsten Formen und Farben ähneln die Leuchter ihren barocken Vorfahren aus Muranoglas. Sie akzentuieren die Architektur und verschmelzen zugleich mit ihr – und tauchen den Luitpoldblock in ein farbenfrohes Spiel aus Licht und Schatten.

Luitpoldblock Hausverwaltung Kunst Raffaele Celentano Fotografien

Kunst im Luitpoldblock

Raffaele Celentano

1962 geboren in Sorrent, lebt seit 1986 in München. Er fotografiert für angesehene Magazine wie Merian, Abenteuer und Reisen, Geo France, Spiegel Special und die italienische Vogue. In den Räumen der Hausverwaltung sind Raffaele Celentanos Schwarz-Weiß-Fotografien zum Thema Schokolade zu sehen – der italienische Laif-Fotograf steht in der Tradition von Henri Cartier-Bresson.

Luitpoldblock Cafe Luitpold Palmengarten Jakob Hentze Kunst Leuchten

Kunst im Luitpoldblock

Jakob Hentze

ist 1971 in München geboren, wo er als freischaffender Künstler lebt und arbeitet. 25 vielfältig durchbrochenen, floralen Kugellampen des Münchner Designers Jakob Hentze, die unter der Glaskuppel des Palmengartens schweben – hochartifizielle Varianten platonischer Körper. Besonders am Abend ein stimmungsvoller Anblick, in dem sich der Kaffeehausbesucher verlieren kann, um seinen Gedanken nachzuhängen.

Luitpoldblock, Hausverwaltung, Hanna Krüger, VAISS.EAU

Kunst im Luitpoldblock

Hanna Krüger

1979 in Berlin geboren, hat bis 2011 Produktdesign an der Kunsthochschule in Kassel studiert. Für die Verwaltung des Luitpoldblocks hat sie Lampen der Serie VAISS.EAU gefertigt, die an historische Flaschenformen erinnern.

Luitpoldblock, Schaufenster, Remy Markowitsch, Sammlung Federkiel

Kunst im Luitpoldblock

Rémy Markowitsch

1957 in Zürich geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Die Arbeiten „T1, T2, T3, 1992“ aus der Serie „Nach der Natur“ (RC-Print, Acrylglas, Holz, 196×308 cm, 200×123 cm, 56×68 cm) der Sammlung Federkiel im Luitpoldblock, waren zwischen März 2017 bis Mai 2018 im Schaufenster des Palmengartens zu sehen.

Die Zuchtkühe «Flamme» aus Erlenbach (Simmentalerrasse) und «Liebi» aus Illgau (Braunviehrasse), beides stattliche Tiere, beide in stolzen Profilaufnahmen wiedergegeben, werden von Markowitsch gekreuzt und verschmolzen – obwohl es dem Auge nicht gelingt, beide gleichzeitig und vollständig zu fixieren. Die uralte braune Schweizerrasse zeichne sich durch hohe Anpassungsfähigkeit aus, ihr Stammbaum reiche bis zum Torfrind der Pfahlbauer zurück. Die schweizerische Fleckviehrasse, in der Schweiz «entstanden» oder im Altertum eingeführt, teilt sich auf in das sogenannte Rotfleckvieh (die Simmentaler) und Schwarzfleckvieh (die Freiburger). Gesicherte und ungesicherte Stammbaumdaten, Stolz einer einst bäuerlichen Gesellschaft. Vor ein paar wenigen Jahren sah man am Fernsehen einen Grossbauern und Grossviehhändler, in weiterhin idyllisch anmutender Alplandschaft, mit Natel-Funktelefon Simmentaler-Kühe direkt von der grünen Wiese nach den USA vermitteln. Die Amerikaner kauften damals wie wild diese Rasse, weil sie sich offenbar sehr gut für die fleischproduzierende und verschlingende Neue Welt eignet.

Die Schweizer Bauern ihrerseits hatten ein gegenteiliges Interesse. Sie liessen ihre Simmentaler Kühe von amerikanischen Stieren besamen, damit die aus der Kreuzung gezeugte Rasse noch mehr Milch produziert. Da aber die Simmentaler Kuh zum Schweizer Alpen- und Tourismus-Bild gehört wie die weissen Kappen der Schneeberge und zur Schweizer Seele wie die Toni-Milch, gab es da bestimmte ästhetische Probleme. Man konnte nicht den Samen der originalen amerikanischen Superstiere verwenden, weil diese dunkle, ja schwarze Rasse die Braunfleckung der Simmentaler auffallend verändert hätte. Also benützte man den Samen eines mit einem Albino gekreuzten und deshalb viel helleren Stiers. Plötzlich starben unerklärlich viele Kühe an einer unerklärlichen Krankheit. Aus ästhetischen wurden leibliche, für uns heisst das veterinärmedizinische und finanzielle Probleme, kaum aber ethische, weil wir die Tiere nach wie vor zur äusseren Natur zählen.

Wir leben in «Der Natur im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit», wie Gernot Böhme den berühmten Titel Walter Benjamins abwandelte, und wir leben mit ihr und wir sind sie selbst. Bisher war die Natur, was immer schon dagewesen ist, und die Technik das, was wir machen. Wir würden nur sauren Wein und saure Äpfel essen, wäre das immer so strikt getrennt gewesen, wie es sich in unseren Köpfen darstellt, aber heute ist eine Verschmelzung von Natur und techné möglich, die der Bedeutung der Kern-Verschmelzung in nichts nachsteht.

Wir haben zwar die Natur noch längst nicht ausgeschöpft, könnten noch Jahrhunderte mit Erkunden und Nachahmen, mit der Mimesis uns bescheiden, aber wir Vorwitzige haben ein paar geheime Schlüssel entdeckt, die unsere Eingriffe grundsätzlich verändern werden. Wir Menschen sind an ein paar entscheidenden Stellen von Nachahmern zu Schöpfern geworden – und behaupten gleich wieder, oh Grössenwahnsinnige, wir hätten alles im Griff. Markowitsch’ Kreuzungen idealtypischer Kühe, Edelsäue, Kaninchen und Hunde erinnern an die surrealistische Praxis des Beschneidens, Verdoppelns, Vervielfachens. Die Surrealisten wollten das Phantasmagorische hervorzaubern, dem Informen (das «informe» von Bataille), der verdrängten Gegenwelt zum Recht verhelfen. Markowitsch’ «cadavres exquis» lässt Dr. Dolittle, endlich am Ziel, den Stossmich-Ziehmich finden. Seine fast stillen, zum 1:1-Massstab vergrösserten Doppeltier- Porträts scheinen in der Ambivalenz von würdevollem Porträt und mechanistischer Durchleuchtung eine Spannung zu erzeugen, die die Techno-Natur-Orgie der Zukunft erahnen lassen. «Damit wir wieder ruhig schlafen…», wie eine Kampagne für die Freigabe der Gen-Technologie uns weismachen will.

Urs Stahel, Direktor Fotomuseum Winterthur
Auszug aus: Rémy Markowitsch, Nach der Natur. Hg. Galerie Urs Meile, Luzern, 1993

Luitpoldblock, MUT, Boris Maximowitz, Foto: Leonie Felle

Kunst im Luitpoldblock

Boris Maximowitz

1985 geboren in Weißenburg, lebt und arbeitet in München. Boris Maximowitz nimmt Eingriffe in den öffentlichen aber auch den Ausstellungsraum vor, um die Reaktionen der Leute zu erforschen. Seine temporären Konstruktionen, oft bestehend aus leeren Kisten, Holz, Müll und allerlei auf den Straßen gefundenen Objekten, entstehen schnell, impulsiv und geradezu natürlich. Der Künstler dekonstruiert und transformiert die ursprüngliche Bedeutung der Objekte indem er sie mit einfachen Hilfsmitteln und Materialien zusammenbindet, verklebt, kombiniert und aufstapelt So zwingt er uns Raum und Realität neu zu überdenken.

MUT ist ein Skulpturenprojekt von Boris Maximowitz, das anlässlich des von der Stiftung Federkiel initiierten Projekts UNDER (DE)CONSTRUCTION auf dem Kreativquartier an der Dachauer Straße seit 2014 auf einem Gebäudedach installiert war. Die zwei Meter hohen Leuchtbuchstaben wurden Ende 2016 kurz vor Abriss des Gebäudes demontiert. Im Frühjahr waren die Buchstaben – jetzt ineinander ›geschachtelt‹ – vor der Münchner Galerie ›Nir Altman‹ zu sehen, seit Juni 2017 im Innenhof des Luitpoldblocks und danach dann wieder auf dem Kreativquartier.

Ursprünglich auf dem Kreativquartier München, etwas abgelegen vom restlichen Ausstellungsareal befand sich auf dem Dach eines Gebäudes, das 2017 abgerissen wurde, die Lichtinstallation von Boris Maximowitz – in einer privilegierten Position: Schon von der Dachauer Straße aus sichtbar. In vollem Glanze erhob sich hier das Wort MUT und proklamierte eine Prämisse, die nicht nur die Initiativen dieses jungen Künstlers auszeichnet sondern auch im Geist derer zu finden ist, die das Kreativquartier ausmachen.

Maximowitz verwies mit seiner Installation auf den Mut der ansässigen Akteure des Kreativquartiers. Den Mut, aus dem offiziellen und institutionalisierten Zirkel herauszutreten. Den Mut, Raum für Kreativität einzufordern. Den Mut, Projekte künstlerischer Qualität und sozialen Charakters anzuregen. Den Mut, schließlich, Träume wahr werden zu lassen. In Mitten des Areals, das von Wechsel und Rekonstruktion geprägt ist, erinnert uns der Künstler an die Notwendigkeit Mut zu zeigen. Mutig zu sein. Mut, als Antriebskraft sich der aktuellen Situation zu stellen, sie kritisch zu analysieren und neue Aktionsformate anzuregen.

Luitpoldblock Kunst Olaf Nicolai Dreiecke

Kunst im Luitpoldblock

Olaf Nicolai

1962 in Halle an der Saale geboren, lebt und arbeitet als Konzeptkünstler in Berlin-Prenzlauer Berg. Parallel zur großen Schau im Lenbachhaus und zu seiner Performance-Reihe in der Pinakothek der Moderne präsentierte der bedeutende zeitgenössische Künstler Olaf Nicolai im Cafe Luitpold Aktionen zum Thema Marcel Duchamp, dem Begründer der Konzeptkunst, der 1912 drei Monate in München verbracht hatte. Aus Frust war dieser aus Paris geflohen, weil der „Salon des Indépendants“ seinen später weltberühmten „Akt, die Treppe hinabsteigend Nr. 2“ abgelehnt hatte. Der Aufenthalt war prägend für Duchamp. „In München erlebte ich meine totale Befreiung“, bekannte er später. Hier entstanden bereits Vorarbeiten zum „Großen Glas“, seinem Hauptwerk. Anlass für das Luitpold, den Künstler hundert Jahre später zu feiern: Mit einem Akt, der die Treppe im Palmengarten hinab- und dann in ein Schokoladenbad hineinsteigt. Oder mit dem Simultan-Schachturnier Night of the Pawn aus Berlin als Verbeugung vor dem passionierten Schachspieler Duchamp. Olaf Nicolai hatte bereits im Vorfeld der Neueröffnung grafische Arbeiten vorgestellt, die das Verpackungsdesign des Cafe Luitpold seriell variieren.

Luitpoldblock, Archivpräsentation, Christof Salzmann

Kunst im Luitpoldblock

Christof Salzmann

1970 in Tübingen geboren, lebt und arbeitet in Ilmensee. Seine archivalische Intervention für eine Schaufensterfront im Palmengarten „DAS ARCHIV SIND SIE, SIND WIR, BIN ICH! ODER: WIE WIRD AUS GESTERN UND HEUTE MORGEN?“ ist seit 2017 zu sehen.

Museum und Archiv sind zwei durchaus unterschiedliche Dinge. Sie finden den Eingang zum Museum Cafe Luitpold zu ihrer Linken. Er führt Sie in die erste Etage und dort zurück in eine Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende, eine Zeit, die man heute Gründerzeit nennt. Die Scheiben, vor denen Sie stehen, verwehren Ihnen zwar den gewohnten Einblick in dahinter liegende Räume, gewähren Ihnen aber dafür einen – wenn auch kleinen – Einblick in das Archiv des Luitpoldblocks. Sie sehen Texte, Materialien, vor allem aber Fotografien aus einem Archiv, das die gesamte Geschichte des Luitpoldblocks zum Gegenstand hat. Dieses Archiv ist aktuell in zwei Keller- und zwei Büroräumen untergebracht. Christof Salzmann hat mehrere nicht archivarische Blicke in dieses Archiv geworfen. Ein erstes Ergebnis zeigt sich Ihnen hier. Es ist ein künstlerischer, ein spielerischer Blick, was nicht verwundert, denn Salzmann ist Künstler und nicht Archivar. Vielleicht auch deshalb muss seine Auswahl mit einem ebenso spielerisch-witzigen wie hintersinnigen Text von Loriot über das Cafe Luitpold beginnen (1).

Der künstlerische Blick auf und in ein Archiv bietet neue und ungewöhnliche Möglichkeiten. Die ausgewählten Fundstücke können aus strenger archivarischer Perspektive eher unbedeutend sein; aus künstlerischer Perspektive sind sie durchaus aufregende Entdeckungen. Während der klassische Archivar das Fundstück unter historischer und/oder juristischer Perspektive (der Ursprung des Archivwesens liegt in der Rechtssprechung) betrachtet und bewertet, so nimmt der Künstler unterschiedliche Betrachtungspunkte ein, um Beziehungen zwischen Archivmaterialien und zeitaktueller ‚Umwelt‘ abzubilden. Künstlerische Perspektiven und Betrachtungsweisen sind z. B. narrative Zugänge, visuelle Irritationen, ästhetische Merkmale, strukturelle und konzeptionelle Grundlagen, mystische Dimensionen, faktische Widersprüche, emotionale Phänomene und vieles mehr. Diese anderen Zugänge und Potentiale sind – nicht nur – für eine Arbeit mit einem Archiv grundlegend, um auf diese Weise aus einem statischen Archivköper einen dynamischen Archivprozess zu entwickeln.

Das Bild unter dem Loriot-Text zeigt eine Kopie des provisorischen ›Chef-Büros‹ (2). Das Bild birgt eine Geschichte. Wahrscheinlich bezieht sich das ‚Provisorium‘ auf die örtliche Situation. Man kann den Begriff ‚provisorisch‘ z. B. als ‚Zwischenzeitraum‘ lesen und sich fragen: Wie lebt und denkt es sich in einem Provisorium? Wodurch unterscheidet sich das Arbeiten im räumlichen und örtlichen ‚Dazwischen‘ von fest etablierten Orten? Welche Vor- und Nachteile bietet ein ‚Provosorium‘? Wonach sehnt man sich im ‚Zwischenzeitraum‘? Die Fensterscheibe links zeigt eine Ansammlung von alten Münchner Kinokarten und den Eingang zum Lichtspiel Luitpold (3). Sie erinnert so an die große cineastische Tradition des Luitpoldblocks, denn das Lichtspiel war von den 1920er bis zu den 1970er Jahren das größte Kino der Stadt. Marlon Brando oder Sophia Loren gaben hier ihre Deutschlandpremieren. Ein Haus wie der Luitpoldblock mit seinen mehr als zwanzigtausend Quadratmetern Fläche ist in einer ständigen Bewegung. Von daher wurden und werden die Blicke immer wieder einmal gestört durch Bauzäune (4). Salzmann zeigt uns rechts Bauzäune aus zwei unterschiedlichen Zeiten. Auf den beiden Farbbildern sehen sie ein Beispiel aus dem Jahr 2016. Die von der Eigentümerfamilie des Luitpoldblocks gegründete Stiftung Federkiel hatte den Schweizer Künstler Beat Streuli eingeladen, den 23 Meter langen Bauzaun auf dem Maximiliansplatz mit einer Foto-Installation zu bespielen. Streulis Arbeit wurde für vier Monate zu einer ebenso leichten wie irritierenden, ja störenden Intervention auf dem ›Platz der Opfer‹.

Weiter rechts (5) dann zwei Fahrzeuge wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und doch mit gleichem Erscheinungsbild: einem Ornament aus weiß-braun ineinander geschachtelten L-Formen. Der alte VW-Bus ›Cafe Luitpold Grill Confiserie‹ lieferte in den ausgehenden 1950er Jahren die entsprechenden Waren des Hauses an und ab; der BMW i3 steht als Elektro-Car-Sharing-Auto den Mietern des Luitpoldblocks zur Verfügung. Seine Ladestation im Hof wird mit Strom aus einer auf dem Dach installierten Photovoltaikanlage versorgt, die darüber hinaus auch Mieterstrom produziert. Beides entspringt einer Kooperation mit dem Ökostromanbieter ›Polarstern‹. Die Scheibe recht außen zeigt dann Bilder aus dem ›Grillroom‹ der frühen 1960er Jahre (6). Auch das war einmal das Cafe Luitpold. Ein cooler, ganz dem damaligen Zeitgeist verpflichteter Ort des gastronomisch-konzeptuellen Experiments. Eines der auf den S/W-Bildern zu sehenden großen Blumenbouquets, hat Christof Salzmann von den Floristen bei ›Flor&Decor‹ nachgestalten lassen, es neu fotografiert und hier als Reminiszenz auf eine andere Form der Opulenz gesetzt.

Luitpoldblock Kunst Salvatorplatz Schleuse Tilo Schulz

Kunst im Luitpoldblock

Tilo Schulz

1972 in Leipzig geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Er ist ein Grenzgänger zwischen Konzept, Konstruktion und der Irritation von Räumen. Wer sich ins Untergeschoss des Cafe Luitpold begibt, wird dank Tilo Schulz möglicherweise verstörende Begegnungen haben. Mit den beiden beleuchteten Vitrinen etwa, in denen Verpackungen für edle Pralinen des Hauses ausgestellt sind, zusammen mit blauen und weißen biegsamen Stangen, an denen zerlaufene Kunststofflappen hängen. Das Ganze ist so drapiert, dass es an die museale Inszenierung von Kunstwerken erinnert, samt Absperrung. Den Hintergrund bildet eine gepolsterte Lederwand, wie man sie in der gedämpften Atmosphäre eines Vorstandsbüros erwarten würde. Der schmale Gang, in den die Vitrinen eingelassen sind, ist mit Bildern tapeziert. Zum Beispiel mit Originalgrafiken der Simplicissimus-Zeichner Thomas Theodor Heine oder Eduard Thöny, mit naiver Ölmalerei aus den siebziger Jahren und mit Postenkarten des historischen Palastcafés. Die Werke stammen aus der Sammlung, die Paul und Marika Buchner in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragen haben. Das Paar hatte das im Krieg zerstörte Cafe Luitpold in den 1960er Jahren erworben und wiederbelebt. Komplettiert wird der Wandschmuck durch zwei minimalistisch abstrakte Kompositionen in leuchtenden Neonfarben. Sie stammen von Tilo Schulz, dem Künstler, der für die Gesamtinszenierung verantwortlich zeichnet: den Gang zu den Waschräumen des Cafe Luitpold als künstlerische Installation. „Schleuse“ hat er sein Werk aus dem Jahr 2010 genannt, und die Bildertapete will er als „Petersburger Hängung“ verstanden wissen, hier im Miniaturformat präsentiert. Der Eingang zum Treppenhaus, das zu den Stiftungsbüros führt, wirkt wie gewöhnliche Architektur: türkisblau gestrichene Wände, in die kreisrunde Leuchten eingelassen sind – nur dass diese Leuchten recht unorthodox angeordnet sind. Sie folgen eher dem Muster eines Sternenhimmels als einer funktionalen Logik.

Luitpoldblock, Maximiliansplatz, Wallpaper, Beat Streuli

Kunst im Luitpoldblock

Beat Streuli

1957 in Altdorf (CH) geboren, lebt und arbeitet in Zürich & Brüssel. Über den Winter 2015/2016 realisierte Federkiel die Arbeit „KL, Kids“ von Beat Streuli an der Fassadenfront des Luitpoldblocks zum Maximiliansplatz/Platz der Opfer des Nationalsozialismus. Streulis Wallpaper verblendete die heutigen Fensterfronten von ACNE Studios während der Umbauzeit. Die von Streuli fotografierten Jugendlichen zeigten sich in der Leichtigkeit sonniger Tage auf den Straßen von Kuala Lumpur. „Kl, Kids“ wurde in einer Zeit am Platz der Opfer des Nationalismus realisiert als die Ansicht von einigen hippen, kopftuchtragenden Jugendlichen ausreichte, um den vorbeiufernden Passanten ebenso so inhumane wie indiskutable Zwischenrufe zu entlocken.

Die Arbeit war die zweite, deutlich versionierte Fassung von Streulis „KL, Kids“. Eine erste Fassung wurde 2014 in der Städtischen Galerie, Nordhorn im Rahmen der Gruppenausstellung Die beste aller Welten gezeigt. Die verwendeten Fotos hat Beat Streuli ausnahmslos in Kuala Lumpur fotografiert.

Hinter „Beat Streulis Bilderserien steht ein … künstlerisches Konzept, das privaten und öffentlichen Raum, Individuum und Masse, High und Low, fotografische, filmische und szenisch-theatrale Kategorien sowie subjektive und objektive Faktoren gegeneinander laufen lässt; aus den Funken des Aufpralls entfacht der Schweizer Fotograf seit Ende der 1980er Jahre ein schillerndes Spektrum einschlägiger Bilder der gegenwärtigen Welt. Die geheimnisvolle Schönheit, die nach Baudelaire das menschliche Leben der Modernität verleiht, manifestiert sich auch in Streulis Momentaufnahmen – und zeigt sich dort in seiner ganzen Ambivalenz: Imprägniert vom Hier und Jetzt, von Modernität (bis zum Modischen) verweisen Streulis Bilder gleichermaßen demonstrativ in die Zukunft, wenn sie als Zeugen einer vergangenen Gegenwart zu betrachten sein werden.“ (Doris Krystof)

Luitpoldblock, Hausverwaltung, Martin Woehrl, Gloriole

Kunst im Luitpoldblock

Martin Wöhrl

ist 1974 in München geboren und hat dort von 1996 bis 2002 an der Akademie der Bildenden Künste studiert. 2011 hat er den Lothar-Fischer-Preis für Bildhauerei erhalten. Seine Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. In der Hausverwaltung des Luitpoldblocks ist seine Arbeit „Gloriole“ aus dem Jahr 2014 zu sehen. Martin Wöhrls „Gloriole“, ist eine beeindruckend pointierte Formulierung. Eine Arbeit, die Gegensätze kombiniert: Die konstruktivistisch zusammengesetzten groben Spanholzreste, die sich farblich bis auf wenige Akzente zurückhalten, bilden in ihrer Schlichtheit, ihrem Purismus ausgerechnet einen Strahlenkranz, das Sinnbild barocker, göttlicher Überhöhung schlechthin. „Armes“, geerdetes künstlerisches Material kollidiert mit einer Urform prunkvoll inszenierter Spiritualität. Die schillernde Installation lässt das Ganze in Op Art-Manier in Bewegung geraten – kinetisches Kopfkino.