Kunst- und Kulturprojekte

Im Luitpoldblock gibt es neben der Kunst als festen Bestandteil der Architektur auch zahlreiche temporäre Kunst- und Kulturprojekte, die in den letzten Jahren umgesetzt wurden. Hier möchten wir Ihnen ein paar Projekte im Detail vorstellen.

Around the block

around the block

Schon seit vielen Jahren schafft der Luitpoldblock mit Kunst, Kultur und Architektur neue Räume für Begegnungen. Auch in der aktuellen Situation eröffnet der Luitpoldblock die Möglichkeit, das Münchner Kulturleben direkt zu erfahren. Anlässlich der langsamen Wiedereröffnung des Einzelhandels und als Reaktion auf die außergewöhnlichen Einschränkungen des Kulturlebens wurde eine Auswahl von jungen, in München lebende Künstler*innen eingeladen, die Schaufenster des Blockes zu gestalten.

In Kooperation mit den teilnehmenden Geschäften haben die Künstler*innen nicht nur Schaufenster und Vitrinen ausgewählt, sondern sind mit ihren Werken individuell auf die Räume, Produkte, Ästhetik und Geschichten der jeweiligen Ladengeschäfte eingegangen. Die künstlerischen Interventionen reichen von Videoarbeiten, Installationen, Malerei, Zeichnungen und Skulpturen, bis hin zu ephemeren Konzeptarbeiten.

Jan Erbelding Prantl seit 1797
Stefan Fuchs Horst Kirchberger Makeup Studio
Stephan Janitzky & Laura Ziegler Salon Pauli
Kalas Liebfried Occhio Store Brienner Quartier
Anna McCarthy & Paulina Nolte Schwittenberg, Vitrine
Fiona Ones Bederke, finest fabrics
Jonathan Penca Schwittenberg
Paul Valentin Cafe Luitpold, Palmengarten
Maria VMier Flor & Decor

Alle Schaufenster sind im Zeitraum von Anfang März bis Ende April 2021 – rund um die Uhr – einsehbar.

Initiiert und organisiert von Christian Ganzenberg in Zusammenarbeit mit Alina Eisner, Karsten Schmitz und dem Team des Luitpoldblocks.

Ausblick - Über dem Nebel

Kunst und Design im Luitpoldblock

Ausblick – Über dem Nebel
2020

Eine Ausstellungskooperation im Rahmen der Munich Creative Business Week 2020.
Weltweit – über alle Kulturen hinweg: Menschen schaukeln gerne. Der Anblick von Schaukeln löst nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen den Impuls aus: draufsetzen, abstoßen, losschwingen. Zusammen mit den Produktdesignern von OHA, dem Lichtdesigner Matthias Singer (507nanometer), der Makers Bible – dem Manifest für Handwerk, Qualität und Passion – und den Schaukeln von Hutschn aus dem Berchtesgadener Land, taucht der Tilo Schulz Raum im Luitpoldblock in eine Sphäre aus Licht, Nebel und Bewegung ein. Der Körper ist in Bewegung. Die Welt ist in Bewegung. Schaukeln entschleunigt, schafft Zutrauen und Mut. Die Füße hängen in der Luft, der Wind pfeift durch die Haare und das Gefühl von unbeschwerter Freiheit stellt sich ein. Einfach mal wieder die Seele baumeln lassen und das Kind in sich spüren. Es kann so einfach sein. Und genau das ist die Kraft dahinter – ein Vergnügen, das die Gedanken frei macht und den Alltag löst. Es entsteht ein Spielraum für Möglichkeiten, der sich durch Blick nach außen und Besinnung nach innen von selbst einpendelt.

Luitpoldblock, Ausschreibung: OHA & 507nanometer

Kunst und Design im Luitpoldblock

Ausschreibung
2020

Ein Wettbewerb zur Umsetzung einer künstlerischen Beleuchtung für den Palmengarten im Luitpoldblock wurde ausgelobt. Anlass der Ausschreibung des Luitpoldblocks war es, den im Jahr 1989 entstandenen Palmengarten wieder mit einer künstlerischen Intervention in ein neues Licht zu setzen. Hierfür waren Kunstschaffende eingeladen sich im Rahmen eines Wettbewerbs für die Umsetzung einer künstlerischen und illuminierenden Intervention im Palmengarten des Luitpoldblocks in München zu bewerben. Die Anforderung an den Wettbewerb war die Auseinandersetzung mit den gegebenen Räumlichkeiten des Palmengartens im Luitpoldblock. Die Auswahl der Jury ging an OHA & 507nanometer.

Federkiel, Ausstellungsansicht

Kunst und Kultur im Luitpoldblock

Federkiel Raum für Kunst | Bildung | Ökologie | Genuss
2016-2018

Federkiel baut auf der gleichnamigen, von Tina und Karsten Schmitz 2000 in Berlin gegründeten Stiftung auf. Zweck dieser Stiftung ist es, allen künstlerischen und kulturellen Ausdrucksformen Gehör zu verschaffen, die sich aus zeitgenössischen Umständen ergeben. Heute engagiert sich Federkiel zudem zwischen den Bereichen Kunst/Kultur, Bildung, Ökologie und Genuss. Federkiel stiftet Raum für Kunst, für Projekte und für die Entwicklung von Möglichem. Alle Aktivitäten werden von Federkiel bevorzugt in Kooperation mit Partnern realisiert. Ein aktives Mitgestalten innovativer künstlerischer Prozesse und das Vorantreiben kreativer Dynamiken in urbanen wie auch ländlichen Räumen stehen im Fokus.

Bis 2014 fand Federkiel eben dort ihr Hauptbetätigungsfeld. Gemeinsam mit der Baumwollspinnereiverwaltungsgesellschaft mbH engagierte sich Karsten Schmitz für die inhaltliche Konzeption und nachhaltige Neubelebung des denkmalgeschützten Industrieareals. So initiierte Federkiel das Symposium ›Wie Architektur sozial denken kann‹, in dessen Rahmen die für die Spinnerei bis heute tragende Idee einer von den Nutzern des Geländes, also besonders den Künstlern, geprägte Entwicklung entstand. Als eine unmittelbare Folge dieser Grundstrategie gründete Karsten Schmitz gemeinsam mit dem Weimarer Kurator Frank Motz den Kunstraum HALLE 14, ein bis heute vitales Experimentierfeld und Labor für zeitgenössische Kunst. In den Jahren 2016-2018 führte Karsten Schmitz zusammen mit dem Kurator Jörg van den Berg den ›FEDERKIEL Raum für Kunst | Bildung | Ökologie | Genuss‹ am Maximiliansplatz 10 im Luitpoldblock mit Wechselausstellungen und einer monatlichen Diskursreihe talk&show.

Luitpoldblock Stählemühle Pop Up – Shut Down

Genuss und Kultur im Luitpoldblock

Stählemühle Pop Up – Shut Down
2018

Als er 2004 eine Hofstelle am Bodensee erwirbt, auf der seit über 150 Jahren Schnaps gebrannt wird, mutiert der ehemalige Kunstverleger Christoph Keller – quasi über Nacht und durch Zufall – zum Schnapsbrenner. Schnell wird das neue Hobby zu einer Leidenschaft, zur Obsession, zur Wissenschaft. Er entwickelt mit seiner Brennerei „Stählemühle“ Destillate aus über 600 verschiedenen Rohstoffen, die aufgrund einer Flut von internationalen Auszeichnungen schnell zu Weltruhm gelangen und regelrechte Begeisterungsstürme unter Kennern auslösen, die Spitzengastronomie und den exklusiven Feinkosthandel erobern und in der Spirituosen-Branche völlig neue Maßstäbe setzen.

Und dann, auf dem Höhepunkt seiner Destillateur-Karriere erschüttert eine Nachricht die Szene und versetzt viele Liebhaber edler Brände in Aufruhr: Christoph Keller hört einfach auf! Jetzt ist es tatsächlich soweit, die Stählemühle hat den Betrieb am 21. Oktober 2018 eingestellt, die Destillate sind nicht mehr erhältlich. Ganz nach der alten Weisheit „Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist!“, hat Keller einen Schlussstrich gezogen. Aber: Die letzten Flaschen haben wir ergattert! Über 200 Sorten waren vom 2. November bis 21. Dezember 2018 in unserem Pop Up – Shut Down, Flagship Store und Schnapsbar im Luitpoldblock erhältlich! Karsten Schmitz, Geschäftsführer der Luitpold Promotion GmbH, hat sich als alter Freund und Wegbegleiter der Stählemühle schon vor geraumer Zeit eine „Notreserve“ des knappen und gesuchten Keller’schen Schnapses angelegt und bot diese in einem eigens dafür entworfenen Laden im Luitpoldblock für 7 Wochen an. Hier wurde bis Ende des Jahres gekauft, getrunken, genossen und gefeiert.

Luitpoldblock, Archivpräsentation, Christof Salzmann

Kunst im Luitpoldblock

Christof Salzmann
2017-2018

1970 in Tübingen geboren, lebt und arbeitet in Ilmensee. Seine archivalische Intervention für eine Schaufensterfront im Palmengarten „DAS ARCHIV SIND SIE, SIND WIR, BIN ICH! ODER: WIE WIRD AUS GESTERN UND HEUTE MORGEN?“ war von 2017-2018 zu sehen.

Museum und Archiv sind zwei durchaus unterschiedliche Dinge. Sie finden den Eingang zum Museum Cafe Luitpold zu ihrer Linken. Er führt Sie in die erste Etage und dort zurück in eine Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende, eine Zeit, die man heute Gründerzeit nennt. Die Scheiben, vor denen Sie stehen, verwehren Ihnen zwar den gewohnten Einblick in dahinter liegende Räume, gewähren Ihnen aber dafür einen – wenn auch kleinen – Einblick in das Archiv des Luitpoldblocks. Sie sehen Texte, Materialien, vor allem aber Fotografien aus einem Archiv, das die gesamte Geschichte des Luitpoldblocks zum Gegenstand hat. Dieses Archiv ist aktuell in zwei Keller- und zwei Büroräumen untergebracht. Christof Salzmann hat mehrere nicht archivarische Blicke in dieses Archiv geworfen. Ein erstes Ergebnis zeigt sich Ihnen hier. Es ist ein künstlerischer, ein spielerischer Blick, was nicht verwundert, denn Salzmann ist Künstler und nicht Archivar. Vielleicht auch deshalb muss seine Auswahl mit einem ebenso spielerisch-witzigen wie hintersinnigen Text von Loriot über das Cafe Luitpold beginnen (1).

Der künstlerische Blick auf und in ein Archiv bietet neue und ungewöhnliche Möglichkeiten. Die ausgewählten Fundstücke können aus strenger archivarischer Perspektive eher unbedeutend sein; aus künstlerischer Perspektive sind sie durchaus aufregende Entdeckungen. Während der klassische Archivar das Fundstück unter historischer und/oder juristischer Perspektive (der Ursprung des Archivwesens liegt in der Rechtssprechung) betrachtet und bewertet, so nimmt der Künstler unterschiedliche Betrachtungspunkte ein, um Beziehungen zwischen Archivmaterialien und zeitaktueller ‚Umwelt‘ abzubilden. Künstlerische Perspektiven und Betrachtungsweisen sind z. B. narrative Zugänge, visuelle Irritationen, ästhetische Merkmale, strukturelle und konzeptionelle Grundlagen, mystische Dimensionen, faktische Widersprüche, emotionale Phänomene und vieles mehr. Diese anderen Zugänge und Potentiale sind – nicht nur – für eine Arbeit mit einem Archiv grundlegend, um auf diese Weise aus einem statischen Archivköper einen dynamischen Archivprozess zu entwickeln.

Das Bild unter dem Loriot-Text zeigt eine Kopie des provisorischen ›Chef-Büros‹ (2). Das Bild birgt eine Geschichte. Wahrscheinlich bezieht sich das ‚Provisorium‘ auf die örtliche Situation. Man kann den Begriff ‚provisorisch‘ z. B. als ‚Zwischenzeitraum‘ lesen und sich fragen: Wie lebt und denkt es sich in einem Provisorium? Wodurch unterscheidet sich das Arbeiten im räumlichen und örtlichen ‚Dazwischen‘ von fest etablierten Orten? Welche Vor- und Nachteile bietet ein ‚Provosorium‘? Wonach sehnt man sich im ‚Zwischenzeitraum‘? Die Fensterscheibe links zeigt eine Ansammlung von alten Münchner Kinokarten und den Eingang zum Lichtspiel Luitpold (3). Sie erinnert so an die große cineastische Tradition des Luitpoldblocks, denn das Lichtspiel war von den 1920er bis zu den 1970er Jahren das größte Kino der Stadt. Marlon Brando oder Sophia Loren gaben hier ihre Deutschlandpremieren. Ein Haus wie der Luitpoldblock mit seinen mehr als zwanzigtausend Quadratmetern Fläche ist in einer ständigen Bewegung. Von daher wurden und werden die Blicke immer wieder einmal gestört durch Bauzäune (4). Salzmann zeigt uns rechts Bauzäune aus zwei unterschiedlichen Zeiten. Auf den beiden Farbbildern sehen sie ein Beispiel aus dem Jahr 2016. Die von der Eigentümerfamilie des Luitpoldblocks gegründete Stiftung Federkiel hatte den Schweizer Künstler Beat Streuli eingeladen, den 23 Meter langen Bauzaun auf dem Maximiliansplatz mit einer Foto-Installation zu bespielen. Streulis Arbeit wurde für vier Monate zu einer ebenso leichten wie irritierenden, ja störenden Intervention auf dem ›Platz der Opfer‹.

Weiter rechts (5) dann zwei Fahrzeuge wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und doch mit gleichem Erscheinungsbild: einem Ornament aus weiß-braun ineinander geschachtelten L-Formen. Der alte VW-Bus ›Cafe Luitpold Grill Confiserie‹ lieferte in den ausgehenden 1950er Jahren die entsprechenden Waren des Hauses an und ab; der BMW i3 steht als Elektro-Car-Sharing-Auto den Mietern des Luitpoldblocks zur Verfügung. Seine Ladestation im Hof wird mit Strom aus einer auf dem Dach installierten Photovoltaikanlage versorgt, die darüber hinaus auch Mieterstrom produziert. Beides entspringt einer Kooperation mit dem Ökostromanbieter ›Polarstern‹. Die Scheibe recht außen zeigt dann Bilder aus dem ›Grillroom‹ der frühen 1960er Jahre (6). Auch das war einmal das Cafe Luitpold. Ein cooler, ganz dem damaligen Zeitgeist verpflichteter Ort des gastronomisch-konzeptuellen Experiments. Eines der auf den S/W-Bildern zu sehenden großen Blumenbouquets, hat Christof Salzmann von den Floristen bei ›Flor&Decor‹ nachgestalten lassen, es neu fotografiert und hier als Reminiszenz auf eine andere Form der Opulenz gesetzt.

Luitpoldblock, Passage

Kunst im Luitpoldblock

Rémy Markowitsch
2017-2018

1957 in Zürich geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Die Arbeiten „T1, T2, T3, 1992“ aus der Serie „Nach der Natur“ (RC-Print, Acrylglas, Holz, 196×308 cm, 200×123 cm, 56×68 cm) der Sammlung Federkiel im Luitpoldblock, waren zwischen März 2017 bis Mai 2018 im Schaufenster des Palmengartens zu sehen.

Die Zuchtkühe «Flamme» aus Erlenbach (Simmentalerrasse) und «Liebi» aus Illgau (Braunviehrasse), beides stattliche Tiere, beide in stolzen Profilaufnahmen wiedergegeben, werden von Markowitsch gekreuzt und verschmolzen – obwohl es dem Auge nicht gelingt, beide gleichzeitig und vollständig zu fixieren. Die uralte braune Schweizerrasse zeichne sich durch hohe Anpassungsfähigkeit aus, ihr Stammbaum reiche bis zum Torfrind der Pfahlbauer zurück. Die schweizerische Fleckviehrasse, in der Schweiz «entstanden» oder im Altertum eingeführt, teilt sich auf in das sogenannte Rotfleckvieh (die Simmentaler) und Schwarzfleckvieh (die Freiburger). Gesicherte und ungesicherte Stammbaumdaten, Stolz einer einst bäuerlichen Gesellschaft. Vor ein paar wenigen Jahren sah man am Fernsehen einen Grossbauern und Grossviehhändler, in weiterhin idyllisch anmutender Alplandschaft, mit Natel-Funktelefon Simmentaler-Kühe direkt von der grünen Wiese nach den USA vermitteln. Die Amerikaner kauften damals wie wild diese Rasse, weil sie sich offenbar sehr gut für die fleischproduzierende und verschlingende Neue Welt eignet.

Die Schweizer Bauern ihrerseits hatten ein gegenteiliges Interesse. Sie liessen ihre Simmentaler Kühe von amerikanischen Stieren besamen, damit die aus der Kreuzung gezeugte Rasse noch mehr Milch produziert. Da aber die Simmentaler Kuh zum Schweizer Alpen- und Tourismus-Bild gehört wie die weissen Kappen der Schneeberge und zur Schweizer Seele wie die Toni-Milch, gab es da bestimmte ästhetische Probleme. Man konnte nicht den Samen der originalen amerikanischen Superstiere verwenden, weil diese dunkle, ja schwarze Rasse die Braunfleckung der Simmentaler auffallend verändert hätte. Also benützte man den Samen eines mit einem Albino gekreuzten und deshalb viel helleren Stiers. Plötzlich starben unerklärlich viele Kühe an einer unerklärlichen Krankheit. Aus ästhetischen wurden leibliche, für uns heisst das veterinärmedizinische und finanzielle Probleme, kaum aber ethische, weil wir die Tiere nach wie vor zur äusseren Natur zählen.

Wir leben in «Der Natur im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit», wie Gernot Böhme den berühmten Titel Walter Benjamins abwandelte, und wir leben mit ihr und wir sind sie selbst. Bisher war die Natur, was immer schon dagewesen ist, und die Technik das, was wir machen. Wir würden nur sauren Wein und saure Äpfel essen, wäre das immer so strikt getrennt gewesen, wie es sich in unseren Köpfen darstellt, aber heute ist eine Verschmelzung von Natur und techné möglich, die der Bedeutung der Kern-Verschmelzung in nichts nachsteht.

Wir haben zwar die Natur noch längst nicht ausgeschöpft, könnten noch Jahrhunderte mit Erkunden und Nachahmen, mit der Mimesis uns bescheiden, aber wir Vorwitzige haben ein paar geheime Schlüssel entdeckt, die unsere Eingriffe grundsätzlich verändern werden. Wir Menschen sind an ein paar entscheidenden Stellen von Nachahmern zu Schöpfern geworden – und behaupten gleich wieder, oh Grössenwahnsinnige, wir hätten alles im Griff. Markowitsch’ Kreuzungen idealtypischer Kühe, Edelsäue, Kaninchen und Hunde erinnern an die surrealistische Praxis des Beschneidens, Verdoppelns, Vervielfachens. Die Surrealisten wollten das Phantasmagorische hervorzaubern, dem Informen (das «informe» von Bataille), der verdrängten Gegenwelt zum Recht verhelfen. Markowitsch’ «cadavres exquis» lässt Dr. Dolittle, endlich am Ziel, den Stossmich-Ziehmich finden. Seine fast stillen, zum 1:1-Massstab vergrösserten Doppeltier- Porträts scheinen in der Ambivalenz von würdevollem Porträt und mechanistischer Durchleuchtung eine Spannung zu erzeugen, die die Techno-Natur-Orgie der Zukunft erahnen lassen. «Damit wir wieder ruhig schlafen…», wie eine Kampagne für die Freigabe der Gen-Technologie uns weismachen will.

Urs Stahel, Direktor Fotomuseum Winterthur
Auszug aus: Rémy Markowitsch, Nach der Natur. Hg. Galerie Urs Meile, Luzern, 1993

Luitpoldblock, Wallpaper, Beat Streuli

Kunst im Luitpoldblock

Beat Streuli
2015-2016

1957 in Altdorf (CH) geboren, lebt und arbeitet in Zürich & Brüssel. Über den Winter 2015/2016 realisierte Federkiel die Arbeit „KL, Kids“ von Beat Streuli an der Fassadenfront des Luitpoldblocks zum Maximiliansplatz/Platz der Opfer des Nationalsozialismus. Streulis Wallpaper verblendete die heutigen Fensterfronten von ACNE Studios während der Umbauzeit. Die von Streuli fotografierten Jugendlichen zeigten sich in der Leichtigkeit sonniger Tage auf den Straßen von Kuala Lumpur. „Kl, Kids“ wurde in einer Zeit am Platz der Opfer des Nationalismus realisiert als die Ansicht von einigen hippen, kopftuchtragenden Jugendlichen ausreichte, um den vorbeiufernden Passanten ebenso so inhumane wie indiskutable Zwischenrufe zu entlocken.

Die Arbeit war die zweite, deutlich versionierte Fassung von Streulis „KL, Kids“. Eine erste Fassung wurde 2014 in der Städtischen Galerie, Nordhorn im Rahmen der Gruppenausstellung Die beste aller Welten gezeigt. Die verwendeten Fotos hat Beat Streuli ausnahmslos in Kuala Lumpur fotografiert.

Hinter „Beat Streulis Bilderserien steht ein … künstlerisches Konzept, das privaten und öffentlichen Raum, Individuum und Masse, High und Low, fotografische, filmische und szenisch-theatrale Kategorien sowie subjektive und objektive Faktoren gegeneinander laufen lässt; aus den Funken des Aufpralls entfacht der Schweizer Fotograf seit Ende der 1980er Jahre ein schillerndes Spektrum einschlägiger Bilder der gegenwärtigen Welt. Die geheimnisvolle Schönheit, die nach Baudelaire das menschliche Leben der Modernität verleiht, manifestiert sich auch in Streulis Momentaufnahmen – und zeigt sich dort in seiner ganzen Ambivalenz: Imprägniert vom Hier und Jetzt, von Modernität (bis zum Modischen) verweisen Streulis Bilder gleichermaßen demonstrativ in die Zukunft, wenn sie als Zeugen einer vergangenen Gegenwart zu betrachten sein werden.“ (Doris Krystof)

Luitpoldblock Cafe Luitpold Palmengarten Jakob Hentze Kunst Leuchten

Kunst im Luitpoldblock

Jakob Hentze
2010-2020

ist 1971 in München geboren, wo er als freischaffender Künstler lebt und arbeitet. 25 vielfältig durchbrochenen, floralen Kugellampen des Münchner Designers Jakob Hentze, schwebten bis Anfang 2020 unter der Glaskuppel des Palmengartens – hochartifizielle Varianten platonischer Körper. Besonders am Abend ein stimmungsvoller Anblick, in dem sich der Kaffeehausbesucher verlieren konnte, um seinen Gedanken nachzuhängen.

Luitpoldblock, Palmengarten

Kultur im Luitpoldblock

Salon Luitpold
2010-2015

Ein kultureller Treffpunkt. Die Kulturwissenschaftlerin Nan Mellinger lädt regelmäßig zum Salon Luitpold ein. Es finden Veranstaltungen zu Themen aus Kunst, Kultur, Nachhaltigkeit und Politik statt. Da philosophiert zum Beispiel die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken über Trachten und das „Dekolleté der Bavaria“, der Theaterkritiker C. Bernd Sucher macht sich Gedanken, ob Anstandsregeln überholt sind, Stadtplaner diskutieren darüber welche neuen Architekturformen vorbildlich für München sein könnten und Julian Nida-Rümelin spricht mit Nathalie von Siemens über nachhaltige und menschengerechte Ökonomie.

Im Herbst 2015 feierte der Salon Luitpold sein fünfjähriges Bestehen. Über 60 Ausgaben „Kultur unter Palmen“ präsentierten Zeitgenossenschaft jenseits des Mainstreams: ein ebenso abwechslungs- wie geistreiches, mitunter auch einfach genüssliches, manchmal polarisierendes Programm, serviert von Nan Mellinger und ihren Gästen im Palmengarten des Cafe Luitpold. Wider den Methodenzwang lautet das Credo, um interessante Menschen, Thesen, Projekte und „ideas in the making“ ins Gespräch zu bringen – ob im Rahmen von Diskussionsrunden, als Vortrag, Performance oder in bewegten Bildern. Mit bayerischen und zuagroasten Gästen. Mehr als ihr Bekanntheitsgrad standen Persönlichkeit, Engagement und eine kritische Geisteshaltung im Fokus. Als Adresse für eine niveauvolle, offene Gesprächskultur konnte sich der Salon Luitpold im besten Sinne etablieren – auch und ganz maßgeblich dank all seiner Gäste, Freunde und Partner! Und natürlich dank der Initiative, großen Unterstützung und vertrauensvollen Zusammenarbeit von Tina & Karsten Schmitz, der Eigentümerfamilie des Luitpoldblocks und Vorständen der Stiftung Federkiel, sowie von Dr. Stephan Meier, Betreiber des Cafe Luitpold.

In unserem Archiv finden Sie eine Auswahl der bereits stattgefundenen Salons sowie einige Video-Mitschnitte und Hörfunkaufnahmen.

Der „Salon Luitpold“ in der bis hierher entwickelten Form, dessen letzte Veranstaltung im Januar 2016 stattfand, wird zunächst pausieren. Ein Kulturprogramm im Cafe Luitpold wird bis auf weiteres in Eigenregie von Dr. Stephan Meier als „Salon im Cafe Luitpold“ realisiert.

Luitpoldblock Kunst Kultur Luitpold Lounge Gangway Eröffnung

Kultur im Luitpoldblock

Luitpold Lounge
2003-2006

Die Luitpold Lounge war ein Forum für den zeitgenössischen interdisziplinären Diskurs. München hat in bester Innenstadtlage im Luitpoldblock, einem Geschäftshaus, dessen genius loci von Mode, Lifestyle und Tradition geprägt ist, ein neues Forum für den aktuellen interdisziplinären kulturellen Dialog bekommen: die Luitpold Lounge.

Das Konzept dieses Forums ist offen. Die Luitpold Lounge ist eingebunden in den Luitpoldblock, doch die Räume ändern sich. Das macht sie so einzigartig. Sie nistet sich im Areal des Geschäftshauses dort ein, wo temporär Räume frei sind.

Ihren Anfang nahm die von der Tochter der Eigentümerfamilie Tina Schmitz initiierte und von Elisabeth Hartung kuratierte Luitpold Lounge zu Beginn des Jahres 2003 in einem Ladengeschäft an der Ecke Brienner Straße/Maximiliansplatz. Mit einem ambitionierten Ausstellungs- und Vortragsprogramm etablierte sie sich bald als ein anregender, für interessiertes Publikum offener Ort, den der Architekt Markus Link jeweils subtil aus bestehenden Materialien gestaltet.

Das Programm der Luitpold Lounge ist ambitioniert. Wir spüren die Themen der Zeit auf und erarbeiten konzeptionelle Projekte als Plattform für den kulturellen Diskurs der Gegenwart. International arbeitende jüngere KünstlerInnen realisieren raumbezogene Arbeiten oder zeigen multimediale Aktionen, renommierte Wissenschaftler vermitteln neueste Ergebnisse, Musiker nutzen die Räume für ungewöhnliche Konzerte, Akteure des kulturellen und ökonomischen Lebens diskutieren öffentlich.

Das Besondere an der Luitpold Lounge ist, dass hier avantgardistische KünstlerInnen und Geschäftsleute, die intellektuelle Szene und ein interessiertes Publikum zusammentreffen und miteinander ins Gespräch kommen. Die Luitpold Lounge hat ein großes integratives Potential. Sie gibt dem kulturellen Leben Münchens eine Plattform und steht in Austausch mit überregionalen und internationalen Positionen. Sie ist ein offener Ort voller Begegnungen zwischen Menschen, Meinungen und Disziplinen.